Leben wider das Geläufige

Fragen Sie sich auch manchmal, was das alles soll? Ich frage mich das schon lange. Erst war nichts, dann ein großer Knall und jetzt lesen Sie meine Internetseite. Das ist doch alles andere als geheuer. Aber fangen wir vielleicht nicht ganz vorne an.

Meine Familie führt ein Leben voller scheinbarer Widersprüche: Wir üben gewaltfreie Kommunikation und mit Waffen auf dem Schießplatz, wir spielen Golf und sind überzeugte Anarchisten, wir kaufen im Bioladen und leugnen den CO2-Klimawandel. Und dann sind wir auch noch eingefleischte Vegetarier, d.h. nach 15 bzw. 30 Jahren ohne Fleisch sind wir inzwischen Ketarier geworden.

Unser Geld verdiene ich mit Golfunterricht, Vorträgen, Filmen und dem Verkauf meines Putters. Knapp zwei Promille meines Einkommens kommen vom Pokern und Backgammon, wobei der Stundenlohn bei diesen Beschäftigungen empörend weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Ich schreibe außerdem Artikel, Bücher und auf Facebook über Golf und die Welt.

Als Golflehrer kämpfe ich gegen Slice und Socket und nach Feierabend gegen Sozialismus und Schwerkraft, sprich: olympisches Gewichtheben, Drachenfliegen und Freeclimben. Erfolglosigkeit ist da programmiert. Albert Camus verdanke ich jedoch die Idee, dass Sisyphos glücklich war. Sisyphos’ Irrtum bestand nur darin, zu glauben, er sei glücklich, wenn der Stein oben bliebe.

Golflehrer? Da hat man schnell Klischees von Ski- und Tennislehrern im Kopf: Golfunterricht klingt nach bezahltem Smalltalk mit gelangweilten Ehefrauen der Haute­vo­lee. Verbreitete Vorurteile gipfeln auch in der Frage, ob Golf überhaupt ein Sport sei und nicht mit »dekadentem Zeit-Totschlagen« treffender beschrieben wäre. Tatsächlich ist Golf entweder Wandern mit Ball, Sport oder Arbeit am Charakter. Und das ist schwer zu verstehen, wenn man selbst noch nicht erlebt hat, wie schwierig es ist, einen Ball zweihundert Meter so durch die Botanik zu prügeln, dass man ihn anschließend wieder findet.

Erfahreneren Golfern dämmert irgendwann, dass kaum ein Hobby solche Chancen bietet, erwachsen zu werden. Das Betreiben unseres Hobbys wird in dem Maße würdevoll, wie wir uns von dem Wahn lösen, wir würden umso mehr geliebt, je besser unsere Schläge gelingen. Bei den geringen Trefferquoten im Golf wäre das ohnehin ein Rezept für permanente Enttäuschung. Irgendwann flüchtet die Seele bei Opfern dieses Wahns in den Selbstbetrug und ins Jammern. Wie aber findet man aus diesem Irrgarten heraus? Meine Antwort dazu ist mein Buch: »Jenseits der Scores«.

Seit dem 11. September 2001 suche ich in meiner chronischen Hybris auch nach Antworten auf die großen Fragen in Politik und Wirtschaft. Nach gründlicher Recherche habe ich bereits 2006 vor der zweiten Weltwirtschaftskrise gewarnt, jedoch zunächst nur Spott geerntet. Inzwischen ist dem Letzten klar, dass sich da etwas Übles zusammenbraut. Allen, die Argwohn hegen gegenüber Presse, Universiäten, Politik und Schule (PUPS), empfehle ich mein kostenloses Buch: »Kein Zweck heiligt Zwang«.

PS: Weil mir morgen ein Blumentopf auf den Kopf fallen und mich ins Jenseits befördern könnte, möchte ich noch Folgendes zu Protokoll geben: Ich bilde mir ein, nicht ganz erfolglos geblieben zu sein bei dem Versuch, der unermesslichen Sinnlosigkeit des weitestgehend toten Universums ein Lächeln abzutrotzen. Dank gilt dabei: Sam Harris, der mir beim Entdecken einer esoterikfreien Spiritualität geholfen hat. Reinhard Sprenger, von dem ich gelernt habe, dass Sozialismus und Etatismus kein Ausdruck von Solidarität sind. Vor allem aber Marshall Rosenberg, der mir 2007 zusammen mit seiner Frau Valentina in einer lebensverändernden Sitzung die Verständigung in der Sprache des Herzens ermöglicht hat. Und in meinen lichten Momenten können sogar meine Mitmenschen etwas davon merken.

Verweise

Was essen Ketarier?
Drachenfliegen
Jenseits der Scores
Kein Zweck heiligt Zwang
Gewaltfreie Sprache von Marshall Rosenberg
Meine Golf-DVDs
Gedanken zum 11. September 2001

NDR-Beitrag

Zwei Hörspiele über mich von Eugen Pletsch

 




Oliver Heuler

 

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Titelbild:

Das Bild zeigt mich in Spitzwegs Bett des armen Poeten. Mit meiner Montage beantworte ich die einzig offene Frage in der Kunstwissenschaft:
Was hält der Poet in der Hand? Antwort: Einen 5-Piece-Penta auf einem Gliemann-Tee.